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Einfach genial — Der Walkjanker, wachgeküsst
Erschienen im Gwandhaus Journal, Ausgabe 21, Herbst 2015. Verfasst von Beatrix Binder.
Einfach genial — Der Walkjanker, wachgeküsst
Er war bunt wie PEZ-Zuckerl, praktisch wie Mannerwaffeln und zuverlässig wie ein Puch-Moped. Er war die modische Schwedenbombe, ein Welterfolg in Sachen Wolle und das Symbol elterlicher Fürsorge an kalten Tagen schlechthin. Dieses gute Stück Österreich holt Gössl nun aus dem Dornröschenschlaf unserer Erinnerungen und haucht ihm neues Leben ein.



Der Lebensbegleiter aus den 60ern und 70ern
DER DUFT VON FRISCHEM HEU. Die Rast auf dem Berg. Spuren im Schnee. Stanitzl-Eis am Kirchtag und der erste Liebeskummer. ER war immer dabei: der Walkjanker, die Kultjacke der 60er und 70er Jahre, die Trachtenikone schlechthin.
JA, ES GIBT IHN WIEDER, den Lebensbegleiter aus einer vergangenen Zeit. Kernig, kompakt und unverwüstlich. Schützende Hülle bei Wind und Wetter. Mit schwarzem Rand und silbernen Doppelknöpfen. So kennt man ihn aus den 60er Jahren.
„Anfangs war es eher ein Sonntags- und Ausflugsgewand … bei jedem Wetter und allen Temperaturen. Beim Wandern diente er auch oft als Sitzunterlage."* — Manfred Rauchensteiner, Linzer Walkjanker-Liebhaber
Bei den Rauchensteiners hatte ihn jeder in der Familie — jeder in einer anderen Farbe.
„Ein ‚neuer' Walker war mir leider nie gegönnt. Unter uns Geschwistern wurde er weitergegeben, was wegen des Altersunterschiedes problemlos war. Ich habe diese Jacken geliebt. Obwohl sie schon ziemlich alt waren — ich war der Jüngste —, waren sie ungemein angenehm zu tragen und nach wie vor gut in Schuss. Einmal kurz ausbürsten — wieder wie neu! Einfach genial …"
Vom Cortina-Set bis ins Immenhof
WARUM ÜBT DIESE KULTJACKE solch eine Faszination aus? David Niven hat sie bei den Dreharbeiten zum Film „The Pink Panther" 1963 in Cortina d'Ampezzo getragen. Ebenso wie Heidi Brühl zehn Jahre später in der Verfilmung der „Zwillinge vom Immenhof". Ist es dieses Gefühl der Urwüchsigkeit, ein Symbol der Verbundenheit mit der Natur? Ist es der Stoff, gefertigt aus dem Dreiklang von Schafwolle, Wärme und Wasser? Leicht kratzig, „a beißerts Luder", dennoch heißgeliebt.
„Jede von uns hat einen Walkjanker gehabt." — Barbara Schweitzer, Chefin der Greißlerei De Merin in Salzburg, erinnert sich an diese Zeit. Im Salzburger Dreimäderlhaus ihrer Familie gab es den Walkjanker in leuchtendem Rot. „Er gehörte einfach mit dazu."
In Blau hat ihn dagegen die Salzburgerin Gertraud Gaube ihren zwei Buben Christoph und Georg angezogen: „Zusammen mit der Lederhose und einem weißen Pfoad war das bei uns das Sonntagsgwand."
DEN GELBEN JANKER hat Sigrid Walch, Touristik-Verantwortliche aus dem Mühlviertel, besonders geliebt:
„Weil er so gut zu meinen Gummistiefeln passte! Das Hineinschlüpfen in einen kalten Janker war eher hart (weil kratzig und ‚unbeugsam'), nach einiger Zeit hat er sich aber angepasst und war direkt kuschelig! Besonders in Erinnerung geblieben ist mir auch der Geruch des Jankers nach einem Regenguss."
Harald Preuner, stv. Bürgermeister von Salzburg, hat das gute Stück in Braun getragen.
Eine jahrhundertealte Technik
DIE SCHAFWOLLE WIRD durch den Einfluss von Wärme und Wasser sowie durch den Walkvorgang verfilzt. Früher wurde sie im warmen Wasserbad mit den Füßen gestampft, später gibt es Walkmühlen für diesen Vorgang. Dabei wird die Schuppenstruktur der Fasern aufgebrochen. Sie verhaken sich, das gestrickte oder gewebte Tuch verfilzt und wird dabei fast um die Hälfte kleiner. Es wird sozusagen aufs Wesentliche reduziert, wird zur Essenz der Wolle.
Aus gestricktem Tuch entsteht der Walkstoff, aus gewebtem der Loden.
BEIM WALKEN SELBST werden winzige Luftkammern im Stoff eingeschlossen und bilden eine isolierende Schicht. So bleibt die Temperatur im Innern bei kühlem oder wärmerem Wetter nahezu konstant. Winddicht, scheuerfest und kaum schmutzanfällig — eben der ideale Begleiter für viele Lebenslagen.

Bildnachweis: Historische Darstellung Tiroler Pfafflar, 1830 (gemeinfrei). Heft 21, Herbst 2015.
Mythos Walk
MYTHOS WALK, ein Stoff voller Geschichten. Von Bergbauern erfunden, von Jägern geadelt, vom Volk seit Jahrhunderten getragen. Wahrscheinlich entdeckte man irgendwann zufällig, dass beim Waschen verfilzte Kleidungsstücke aus Wolle mehr Wetterschutz boten als zuvor. Daraufhin wird die Walktechnik genutzt, um gestrickte und gewebte Wolle wetterfest und strapazierfähig zu machen.
EINFACH UND GERADEAUS auch die Form des Jankers, wie sie die Tiroler Waldarbeiter einst trugen. Erst Ende der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts wird er stadtfein, bekommt das Revers und die Doppelknöpfe. Und wird neben der Lederhose zur Trachtenikone schlechthin.
Das Original — wachgeküsst
GÖSSL HAT DAS ORIGINAL wachgeküsst. Der Janker schaut genauso aus wie früher, mit der schwarzen Kante, gewalkt natürlich. In der Farbe Wollweiß erleben Sie die naturbelassene Schönheit des Wollstoffes, mit seinen Einschlüssen aus Heu oder dunkleren Fasern. Dies sind Zeichen dafür, dass er nicht chemisch behandelt wurde.
Nur kratzen tut das gute Stück nicht mehr, denn der Walk ist geschmeidiger als früher. So entsteht ein angenehmes Tragegefühl. Figurschmeichelnd ist auch der taillierte Schnitt, zeitgemäß die Innentasche fürs Smartphone.
DAS „BEISSERTE LUDER" ist erwachsen geworden. Für Frauen und Kinder gibt es den Klassiker tailliert und mit Revers, für die Männer in gerader Form und hochgeschlossen. In den Farben wie früher.
Ein tragbares Kulturerlebnis mit einem süßen Geheimnis: Denn in der Außentasche des Walkjankers steckt die weltweit einzige Süßigkeit, für die ein Museum gebaut wurde: Ein Bonbonspender von PEZ samt Inhalt. Kult wie der Walkjanker selbst.
DEN GIBT'S in den Farben Rot, Wollweiß und Grau für Frauen, in Blau und Grau für die Männer, zum Mit-nach-Hause-Nehmen.

Bildnachweis: Gössl-Archiv. Heft 21, Herbst 2015.
Unser Tipp
Anziehen, Ärmel umkrempeln, die Augen schließen und sich fühlen wie ein Kind …
Dieser Beitrag wurde wörtlich aus dem Gwandhaus Journal, Ausgabe 21 (Herbst 2015), übernommen. Verfasst von Beatrix Binder. Bilder und Bildnachweise stammen aus der Originalausgabe. Das vollständige Heft als PDF finden Sie im Journal-Archiv.


















