Das Leinendirndl — Mit dem Charme einer Hundertjährigen

Bauernleinen aus Flachs — ein Stoff voller Geschichten. Das Gössl Leinendirndl mit über 100 Jahre altem Leib und Siebenbürger Kreuzstich-Handarbeit. Eine kurze Materialkunde.

Gwandhaus Journal — Heft 21

Erschienen im Gwandhaus Journal, Ausgabe 21, Herbst 2015. Gössl Leinendirndl.

Das Leinendirndl: Mit dem Charme einer Hundertjährigen

Ergreifend edel, seidig glänzend, grob strukturiert: altes Bauernleinen. Ein Stoff voller Geschichten, gewebt aus den Fasern der ältesten Kulturpflanze der Welt — dem Flachs. Das Dirndl von Gössl vermittelt die Aura seiner Herkunft. Der Dirndl-Leib ist eine Besonderheit, denn das Leinen ist über 100 Jahre alt.

Leinen — die älteste Kulturpflanze

Von der griechischen und römischen Antike bis ins europäische Mittelalter war Leinen neben Wolle der wichtigste Stoff für jedwede Kleidung. Seine Blütezeit hatte es aber im vorindustriellen Europa. Als Baumwolle noch nicht in großen Mengen importiert wurde, stand Leinen — neben wenigen Ausnahmen — als einzige pflanzliche Faser zur Verfügung. Bis Ende des 18. Jahrhunderts war ein Fünftel der verarbeiteten Fasern aus Flachs.

Und in jüngerer Vergangenheit? Wäsche und Stoffe aus Leinen, oder auch veraltet „Linnen" genannt, waren einst ein fester und begehrter Bestandteil der Aussteuer und hatten damit auch Bedeutung für die Gründung des Hausstandes.

Leinenballen aus dem Textilmuseum Haslach.

Bildnachweis: Textilmuseum Haslach. Heft 21, Herbst 2015.

Die Unregelmäßigkeit als Adel

Die Flachsgewinnung erfolgte damals ausschließlich in Handarbeit. Die solchermaßen entstandenen Unregelmäßigkeiten des Stoffes sind Merkmal des sehr kostbaren Bauernleinens. Die Struktur des Stoffes richtet sich ausschließlich nach der Beschaffenheit des Garnes und der Art der händischen Verarbeitung. Gerade die Unregelmäßigkeiten in seiner Struktur aber sind es, die dem handgewebten Bauernleinen seinen einzigartigen Charakter verleihen.

Das Gössl Leinendirndl

Dieses Dirndl aus Bauernleinen strahlt die Aura des traditionell gefertigten Leinens aus. Die Krönung dazu ist die Kreuzstich-Handarbeit, die sich aus der Siebenbürger Kissen-Stickerei ableitet — eine Stickerei, die Motive aus vielen Quellen zusammengeführt und über Jahrhunderte tradiert hat. Stich für Stich etwas Besonderes, daher nur in begrenzter Stückzahl gefertigt.

Gössl Leinendirndl aus über 100 Jahre altem Bauernleinen mit Siebenbürger Kreuzstich-Handarbeit.

Bildnachweis: Gössl-Archiv. Heft 21, Herbst 2015. Erhältlich ab Juli.

Häufige Fragen

Wie alt ist das Leinen im Gössl Leinendirndl? Der Dirndl-Leib ist eine Besonderheit: Das verwendete Bauernleinen ist über 100 Jahre alt. Es stammt aus einer Zeit, in der die Flachsgewinnung noch ausschließlich in Handarbeit erfolgte.

Was ist Bauernleinen? Handgewebtes Leinen aus Flachs, charakterisiert durch die Unregelmäßigkeit seiner Struktur. Diese Unregelmäßigkeiten — Merkmal der Handarbeit — sind heute das Erkennungszeichen des sehr kostbaren Bauernleinens und verleihen dem Stoff seinen einzigartigen Charakter.

Was ist Flachs? Flachs (oder Lein) ist die älteste Kulturpflanze der Welt und der Rohstoff für Leinen. Bis Ende des 18. Jahrhunderts war ein Fünftel der in Europa verarbeiteten Fasern aus Flachs — Leinen war über Jahrhunderte der wichtigste Stoff für jedwede Kleidung.

Welche Stickerei wird auf dem Leinendirndl verwendet? Eine Kreuzstich-Handarbeit, die sich aus der Siebenbürger Kissen-Stickerei ableitet. Diese traditionsreiche Stickerei führt Motive aus vielen Quellen zusammen und wurde über Jahrhunderte tradiert — Stich für Stich etwas Besonderes.

Wie viele Stück gibt es vom Gössl Leinendirndl? Wegen der aufwendigen Kreuzstich-Handarbeit wird das Dirndl nur in begrenzter Stückzahl gefertigt. Verfügbarkeit erfragen Sie bitte direkt im Gössl Online-Shop oder in einem der Gössl Geschäfte.

Warum war Leinen früher in der Aussteuer so wichtig? Wäsche und Stoffe aus Leinen waren ein fester und begehrter Bestandteil der Aussteuer — sie hatten damit auch Bedeutung für die Gründung eines Hausstandes. Leinen stand für Wertbeständigkeit und gehörte zum Grundvermögen einer Familie.


Dieser Beitrag wurde wörtlich aus dem Gwandhaus Journal, Ausgabe 21 (Herbst 2015), übernommen. Bilder und Bildnachweise stammen aus der Originalausgabe. Das vollständige Heft als PDF finden Sie im Journal-Archiv.

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