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Die Brüder Wallach und das Dirndl

Das Dirndl hat viele Geschichten. Eine der bedeutendsten führt nach München, zu den Brüdern Julius, Moritz und Max Wallach. Dass ihre Namen heute weit weniger bekannt sind als die Mode, die sie prägten, hat einen Grund, der mit Tracht allein nichts zu tun hat.

Julius und Moritz Wallach eröffneten im Jahr 1900 ein Geschäft für Tracht und Volkskunst. Sie sammelten historische Vorbilder, ließen Stoffe nach eigenen Entwürfen fertigen und entwickelten eine unverwechselbare Handschrift. Ihr Bruder Max leitete später die Werkstätten in Dachau. Aus der gemeinsamen Arbeit entstand ein Haus, dessen Dirndl und Stoffdrucke weit über München hinaus Beachtung fanden. Für das hundertjährige Bestehen des Oktoberfests statteten die Wallachs 1910 den historischen Trachtenzug aus. Mit der Operette Im weißen Rössl gelangten ihre Dirndl ab 1930 schließlich auf internationale Bühnen.

Wenige Jahre später wurden die jüdischen Unternehmer von den Nationalsozialisten aus dem Geschäft gedrängt, das sie aufgebaut hatten. Am 1. August 1938 musste Moritz Wallach die Schlüssel abgeben. Er und Julius konnten Deutschland verlassen. Max und seiner Frau Melly gelang die Flucht nicht. Beide wurden deportiert und in Auschwitz ermordet.

Die Tracht, zu deren Bekanntheit die Wallachs beigetragen hatten, wurde zur selben Zeit von den Nationalsozialisten für ihre Vorstellung einer „deutschen“ Kultur vereinnahmt. Dieser Widerspruch gehört zu ihrer Geschichte. Wer heute über das Dirndl spricht, sollte deshalb auch die Namen jener nennen, die es mit Können und Vorstellungskraft geprägt haben – und denen ihre Herkunft zum Verhängnis wurde.

Quellen: Jüdisches Museum München und The Wallach Project.

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