Der Handdruck — Unikate für Individualisten

Seine zeitaufwendige Herstellung verleiht dieser Handwerkskunst eine individuelle Geschichte, eine persönliche Note und einen Hauch von Exklusivität.

Lange vor Beginn unserer Zeitrechnung wurden in Asien schon Stoffe mit Stempeln bedruckt. Dabei bediente man sich des ältesten Druckverfahrens: des Direktdrucks oder Blockdrucks.

Dieser ist ein Hochdruckverfahren, bei dem der in die gewünschte Form gebrachte Model (von lat. „modulus", zu Deutsch: Maß) — meist aus Holz geschnitzt — mit Farbe eingestrichen und direkt aufgedruckt wird. Der Blockdruck kann auf allen flachen Geweben, auf Leder und auch auf Papier und Karton angewendet werden.

Plinius der Ältere beschrieb im 1. Jahrhundert unserer Zeitrechnung die hervorragenden Stoffdruckkünste der alten Ägypter, die zusätzlich zum Blockdruck bereits in einem weiteren Druckverfahren zu arbeiten wussten: dem Reservedruck. Bei diesem wird nicht das Motiv selbst aufgedruckt, sondern eine haftende Paste auf den Stoff aufgebracht — der Papp. Beim anschließenden Färben des Stoffes bedeckt dieser das Motiv und löst sich erst bei einer säurehaltigen Wäsche wieder ab. Das gewünschte Muster scheint nun hell auf dem dunkel gefärbten Hintergrund auf.

Das älteste Stofffragment Europas, das in dieser Technik gefertigt wurde, fand sich im Grab des Hl. Caesarius, der als Bischof von Arles im 6. Jahrhundert in Südfrankreich wirkte. Die Forschung ist sich aber nicht einig, ob dies ein Importtextil aus Ägypten war oder doch Hinweis auf die ersten Reservedrucker in Europa ist.

Denn der europäische Blaudruck, das wichtigste Reservedruckverfahren, das noch heute besonders im Bereich der Trachtenstoffe, aber zusehends auch wieder unter jungen Designern nachgefragt wird, geht erst auf das 17. Jahrhundert zurück, als die Niederländische Ostindien-Kompanie diese Drucktechnik von Indien nach Europa brachte. Ausgehend von der ersten Kattundruckerei in Amsterdam, die Stoffe im Blaudruckverfahren veredelte, breitete sich die Methode rasch über den ganzen Kontinent aus. Noch heute finden sich im Mühlviertel, im Burgenland und in Mähren Zentren des Blaudrucks.

Der Ätzdruck

Verwandt mit dem Blaudruck ist der Ätzdruck, der ein ähnliches Endergebnis erzielt, sich aber einer anderen Methodik bedient. So wird der Model mit Bleichmittel eingestrichen und auf einen bereits gefärbten Stoff gedruckt. Die Farbe wird anschließend wieder gelöst und die originale Stofffarbe erscheint erneut.

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Im heutigen Gebrauch spielt der Ätzdruck kaum mehr eine Rolle — außer bei gepunkteten Stoffen.

Der Model als Grundstock

Er ist die Gemeinsamkeit aller Varianten des Direktdrucks: der Model, mit dem das Motiv auf den Stoff gedruckt wird. Er muss haltbar sein und eine dauerhaft gute Bildqualität liefern. Er darf sich beim Druck nicht verformen und muss feine Linien ermöglichen. Das schränkt die Auswahl an Materialien ein.

Harte Hölzer wie Buchs- oder Birnbaumholz liefern eine stabile Grundplatte, in die gröbere Muster hineingeschnitzt werden können. Besonders feine Linien kann man damit aber nicht erzeugen, da feinste Holzstege der starken Belastung nicht lange widerstehen, sondern brechen würden. Deshalb setzten sich Holzmodel durch, die mit feinen Messingstiften oder -bändern ergänzt wurden, mit denen man die Details abbilden konnte.

Da nicht jeder begabte Drucker auch ein begabter Schnitzer oder Metallbearbeiter war, entstand in und um die Druckereien herum der Beruf des Formstechers bzw. -schneiders. Besonders im 17. und 18. Jahrhundert, als an den Höfen prunkvolle Jacquardgewebe in Mode kamen, erfreute sich der Handdruck bei den Stoffen für die einfacheren Bevölkerungsschichten wachsender Beliebtheit. So konnte durch die geschickten Hände der Formstecher und Drucker günstig nachgeahmt werden, was zu Hofe getragen wurde.

Der Formstecher blieb bis ans Ende des 20. Jahrhunderts anerkannter Lehrberuf, bevor er durch die maschinelle Erzeugung und den Digitaldruck langsam abgelöst wurde.

Formen des Models und Stechen des Motivs

Um einen traditionellen Druckstock für den Textildruck herzustellen, ist ein aufwendiger Prozess nötig. Zuerst muss ein Block geformt werden, der aus mehreren Tafeln unterschiedlicher Holzarten zusammengeleimt wird. Dabei besteht die oberste Tafel häufig aus Birnbaumholz, immer aber aus einem Hartholz. Die darunterliegenden Schichten werden mit im rechten Winkel zueinanderstehender Maserung verleimt. Das verhindert, dass sich der Model im Laufe des Gebrauchs verzieht.

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Auf diesen verleimten Grundstock zeichnet der Formstecher dann das gewünschte Motiv auf und schnitzt die gröberen Teile aus dem Holz heraus. Dabei wird herausgeschnitten, was nicht gedruckt werden sollte — denn nur, was stehen bleibt, druckt sich später dann auch auf dem Stoff ab. Kleinere Details werden durch das Einschlagen von Messingstiften und -bändern ermöglicht. Durch den Einsatz von besonderen Zieheisen können die Querschnitte der zur Anwendung kommenden Messingdrähte verändert werden: So entstehen ovale Drähte, Blättchen, Tropfen oder Sterne.

Als vorletzter Vorgang der Motiverstellung wird an den Ecken des Models noch jeweils ein Rapportstift angebracht. Dieser hinterlässt eine kleine Markierung, wo der Drucker beim nächsten Druckvorgang den Model aufzusetzen hat. Für ein einzelnes Motiv können, wenn dieses mehrfärbig sein soll, mehrere Model notwendig sein. Dann ist für jede Farbe ein eigener Model notwendig. Dieses zusammengehörige Modelset — das manchmal für ein einziges Motiv bis zu 20 oder mehr Einzelmodel beinhaltet — nennt man „Satz" oder „Spiel".

Drucken mit dem Model

Der Druckvorgang selbst ist wie die Erstellung der Model ein aufwendiger: Erst muss die gewaschene und aufgebügelte Stoffbahn auf einem mit Filz bespannten Tisch fadengerecht aufgespannt werden. Dabei eignen sich nur Naturfasern zum Bedrucken, da auf den glatten Oberflächen von Kunstfasern die Farben schlecht bis gar nicht halten würden. Aber auch Leder — ebenfalls ein Naturmaterial — kann bedruckt werden.

Es kann mit industriell hergestellten Farben als auch mit eigens angeriebenen und -gemischten Naturfarben gedruckt werden. Sogar Metallic-Töne sind heutzutage möglich. Es kann auch durch das Übereinanderdrucken verschiedener Farben eine Nuancenfülle erzeugt werden.

Sind die Farben dann angemischt, werden sie mit einem breiten Pinsel auf ein Stück Filz, den sogenannten Druckfilz, aufgestrichen. Darauf wird der Model mit der Motivseite nach unten aufgesetzt und sanft angedrückt, sodass er die Farbe aufnimmt. Danach wird der Model behutsam auf den Stoff gelegt und ohne zu wackeln oder zu schieben niedergedrückt.

Begonnen wird dabei stets mit dem Flächendruck, darauf folgen dann die einzelnen Motive bzw. ihre Einzelteile. Beim Drucken von umlaufenden Bordüren kann entweder ein Eckmodel verwendet werden oder eine alte Zeitung, die schräg aufgelegt die Hälfte des Motivs aufnimmt und so einen lückenlosen Rapport ermöglicht.

An den Auflegekanten des Models entstehen trotz der Rapportstifte sogenannte Modelzusammenstände, die jedes Mal ein bisschen unterschiedlich ausfallen. Dieser „Modelzaumstond" ist somit das Markenzeichen des echten Handdrucks. So wird jedes Stück zum Unikat und auf den ersten Blick als Handarbeit erkennbar. Nach dem Drucken werden die Stoffbahnen zum Trocknen aufgehängt und die Farben mit Hitze fixiert.

Alte Druckmodel als Inspirationsquelle

Alte Druckmodel, die sich nicht mehr zum Druck eignen, können — aber müssen nicht zwangsläufig — ins Museum wandern. Sie können durch neue Technik und kreative Ideen als Inspirationen für neue Motive und Druckstöcke dienen und somit ihren Beitrag zum Bewahren von wertvollem Kulturgut leisten.

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