Es ist in aller Munde — im übertragenen wie im wörtlichen Sinne: Mikroplastik. Was das aber für Mensch und Umwelt zukünftig bedeutet, ist heute noch nicht einmal absehbar.
Ein großer Teil dieser Partikel stammt aus synthetischen Textilien, weswegen es sich lohnt, den Schrankinhalt zu sichten und mit Naturstoffen aufzurüsten. Denn viele davon sind nicht nur umweltfreundlicher als kunststoffhältige Textilien, sondern auch langlebiger, strapazierfähiger und umgeben ihren Besitzer mit einem Hauch von Luxus.
Robuster Hanf
Über viele Jahrhunderte hinweg war der Hanf weltweit eine der wichtigsten Kulturpflanzen. Wiewohl er wegen seiner Verwendbarkeit als Rauschpflanze kurzzeitig verboten war, sind mittlerweile wieder rund 70 Sorten in der EU für den Anbau zugelassen. Einige wurden sogar speziell zur Fasergewinnung für die Textilindustrie gezüchtet.
Diese hat ihn besonders wegen seiner Robustheit und seiner kurzen Kulturzeit wiederentdeckt: innerhalb von 120 Tagen ist Hanf erntereif. Herbizide werden beim Hanfanbau nicht gebraucht — überwuchert er doch selbst schnell wachsende Unkräuter.
Und auch seine Faserqualität ist von Robustheit geprägt: Hanftextilien sind extrem reiß- und strapazierfähig, sogar wenn sie nass werden.
Die erste Blue Jeans von Levi Strauss wurde aus einem für das Arbeitstextil geeigneten Hanfstoff genäht.
Die Gössl Hanferne kann somit an heißen Tagen auch als robuste Alternative zur Lederhose dienen.
Wärmeliebendes Leinen
Ähnlich wie der Hanf hat Leinen einen uralten Platz in der Modegeschichte. Dabei ist es besonders nachhaltig anzubauen — durch die Genügsamkeit der Flachspflanze werden kaum Chemieprodukte wie Dünger und Pestizide benötigt.
Leinenstoffe sind von Natur aus:
- Flusenfrei und schmutzabweisend
- Bakterizid und antistatisch
- Körpergerüche festsetzen sich kaum — großer Vorteil gegenüber Kunstfasern
- Als beliebter Sommerstoff leitet es Feuchtigkeit schnell vom Körper weg — kühlend
Extrem reißfest und unelastisch — daher zwar knitteranfällig, aber umso strapazierfähiger. Pflege: Schongang, beim Bügeln noch leicht feucht. Kochwäsche ist kein Problem, wenn die Färbung es erlaubt.
Wetterfester Loden
Loden ist einer der widerstandsfähigsten Stoffe aus der Natur. Meist wird heute Walkloden unter dem Begriff verstanden — eine spezielle Form der Lodenherstellung, die rund 40 Arbeitsschritte vom Scheren der Schafe bis hin zum verarbeitbaren Stoff beträgt.
Im Unterschied zum Walkstoff wird Walkloden zuerst gewebt und erst im Anschluss gewalkt. Wer schon einmal einen Wollpullover unabsichtlich im Normalprogramm der Waschmaschine gewaschen hat, weiß: Schafwolle schrumpft und verfilzt unter dem Einfluss von Wasser, Waschmittel oder Seife, Wärme und Reibung.
Aus der Kollektion
Gezielt eingesetzt wird diese Eigenschaft zur Loden-Herstellung. Ist das gewebte Stück ordentlich verfilzt, wird es zusätzlich geknetet und gehämmert. Im Anschluss sorgt eine Aufrauung mittels Maschine — früher verwendete man dazu Disteln — und eine Schur für den flauschigen Griff.
Danach ist der Loden bereit für die Verwendung etwa als regen- und winddichter Wetterfleck — eines der ältesten Kleidungsstücke, das heute in seiner ursprünglichen Form noch genauso getragen wird wie im alten Rom.
Edles Kaschmir — Himalaya
Hoch im Himalaya wohnt die schlappohrige Kaschmirziege, die als Produzentin einer der feinsten Fasern der Welt gilt.
Die aus ihrem Unterhaar gewonnenen Kaschmirfasern sind unter 19 Mikrometer dick, durch ihre Länge von bis zu 9 cm aber gut verspinnbar. Diese Feinfasrigkeit garantiert hervorragende Wärmeeigenschaften bei minimalem Gewicht.
Da pro Ziege aber nur rund 150 Gramm der wertvollen Faser jährlich gewonnen werden können — und das auch noch durch zeitintensive Methoden wie Auskämmen — zählt Kaschmirwolle zu den teuersten Naturfasern der Welt.
Weiches Leder
Die Verwendung von Leder und Fellen hat seinen Ursprung in der Steinzeit. Seit der Entdeckung der Gerbung ist Leder strapazierfähiges, langlebiges Material für Aufbewahrungs-, Wohn-, Transport- und natürlich Kleidungszwecke.
Die im Alpenbereich weitverbreitete Lederhose wird bevorzugt aus sämisch gegerbtem Hirschleder hergestellt. Im Gegensatz zur Chromgerbung werden hierbei keine umweltschädlichen Chemikalien verwendet, sondern Fischöle, die die Lederhose zudem leicht zu reinigen und antiallergen machen.
So ist sie weich, atmungsaktiv und dennoch widerstandsfähig.
Wärmender Pelz — der Rotfuchs
Obwohl noch vor einigen Jahren verpönt, findet Pelz heute wieder vermehrt Einsatz in der Mode: als wärmendes Futter, als Besatzelement oder als dekoratives Heimtextil.
Dass man besonders den Rotfuchs heute auch wieder in der Öffentlichkeit tragen kann, liegt am gesteigerten Wissen in der Bevölkerung über die Entstehung lokal gewonnener Rotfuchspelze.
Rotfüchse — der ökologische Hintergrund
Rotfüchse vermehren sich in der Kulturlandschaft schneller als es in ihren Habitaten sonst möglich wäre — da natürliche Feinde fehlen und das Buffet stets reich gedeckt ist. Dadurch gefährden sie unter anderem die tierfreundliche Freilandhaltung beim Geflügel.
Somit müssen Füchse regelmäßig von den Jägern aus den Revieren entnommen werden. Die Alternative dazu wäre, die bestandsregulierende Tollwut, den Fuchsbandwurm oder die Räude grassieren zu lassen — etwas, das verständlicherweise nicht zur Debatte steht.
Aus der Kollektion
Den Pelz dieser ohnehin getöteten Füchse für Kleidung zu verwenden, statt Pelztiere in Farmen zu halten, hat das Tragen von Rotfuchspelz im Sinne einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft rehabilitiert.
Häufige Fragen
Was ist das Problem mit synthetischen Textilien? Mikroplastik — beim Waschen geben synthetische Textilien Mikrofasern frei, die ins Wasser gelangen. Langzeitfolgen für Mensch und Umwelt noch nicht absehbar. Naturstoffe sind die nachhaltige Alternative.
Wie schnell wächst Hanf? In 120 Tagen erntereif — eine der schnellsten Kulturpflanzen. Wächst so schnell, dass keine Herbizide nötig sind (er überwuchert Unkräuter selbst). 70 Sorten sind in der EU für den Anbau zugelassen.
Warum sind Leinen-Stoffe bakterizid? Die Flachsfaser enthält natürliche Stoffe, die das Wachstum von Bakterien hemmen. Daher festen sich keine Körpergerüche fest — ein großer Vorteil gegenüber Kunstfasern, die zu Geruchsbildung neigen.
Was ist Walkloden? Eine spezielle Lodenform aus 40 Arbeitsschritten vom Scheren der Schafe bis zum verarbeitbaren Stoff. Wird zuerst gewebt, dann gewalkt (im Gegensatz zum Walkstoff, der direkt gefilzt wird). Resultat: regen- und winddicht, einer der ältesten Kleidungsstoffe überhaupt (seit dem alten Rom).
Warum ist Kaschmir so teuer? Pro Kaschmirziege werden nur rund 150 Gramm Faser jährlich gewonnen — durch zeitintensives Auskämmen des Unterhaars. Feinheit: unter 19 Mikrometer. Länge bis 9 cm — gerade noch verspinnbar. Daher: teuerste Naturfaser der Welt.
Wo lebt die Kaschmirziege? Im Himalaya — sie ist eine schlappohrige Ziegen-Rasse. Das eisige Klima erfordert das feine, isolierende Unterhaar, das beim Sommer-Auskämmen gewonnen wird. Hauptländer: Mongolei, China (Innere Mongolei), Iran, Afghanistan.
Warum ist sämisch-gegerbtes Leder besser? Im Gegensatz zur Chromgerbung verwendet die Sämischgerbung Fischöle (Dorschlebertran) — keine umweltschädlichen Chemikalien. Resultat: weich, atmungsaktiv, antiallergen, leicht zu reinigen. Ideal für die Lederhose.
Ist Rotfuchspelz ethisch vertretbar? Eine kontroverse Frage. Der Artikel-Argumentationspfad: Rotfüchse müssen aus Revieren entnommen werden (sonst Tollwut, Fuchsbandwurm, Räude, Gefährdung Freilandhaltung-Geflügel). Statt Pelztierhaltung in Farmen dient die Verwendung des Pelzes als Kreislaufwirtschaft für ohnehin getötete Füchse. Eine lokale, regulierte Alternative zur umstrittenen Farmpelz-Industrie.
Welche Eigenschaften hat Leinen?
- Flusenfrei und schmutzabweisend
- Bakterizid und antistatisch
- Atmungsaktiv (Sommer-Klassiker)
- Feuchtigkeitsleitend (Schweiß-Abtransport)
- Reißfest und unelastisch
- Knitteranfällig (das ist der Preis für Robustheit)
- Kochfeste Naturfaser
Was sind die Vorteile von Naturstoffen gegenüber Kunstfasern?
- Kein Mikroplastik
- Langlebiger
- Strapazierfähiger
- Atmungsaktiver
- Hautfreundlicher
- Geruchsneutraler (Leinen, Hanf)
- Erbstück-fähig (Kaschmir, Loden, Leder)
- Hauch von Luxus beim Tragen
Dieser Beitrag wurde wörtlich aus dem Gwandhaus Journal, Ausgabe 39 (Herbst 2024), übernommen. Verfasst von Eva Weiler. Das vollständige Heft als PDF finden Sie im Journal-Archiv.










